Willkommen zu Newsletter Nummer 10 – ein guter Anlass, nicht nur Inhalte, sondern auch die Gestaltung ein bisschen umzubauen.
In den letzten Wochen habe ich wieder einiges an digitalem Kram eingesammelt: an meinem Mail‑Setup geschraubt, mich in App‑Listen verloren, neue Tools ausprobiert und nebenbei Serien, Spiele und Ausstellungen mitgenommen.
Weil sich da über die Jahre viel gestapelt hat – Mails, Onlinekonten, Apps, Launcher‑Experimente, Streaming‑Dienste, Smarthome‑Spielereien, Newsfeeds –, fühlt sich das Ganze inzwischen eher wie eine Wohnung direkt nach dem Umzug an als wie ein fertig eingerichtetes Zuhause.
Statt jetzt groß „Digital‑Minimalismus“ zu predigen, starte ich eine kleine Aufräum‑Staffel. Heute geht es nur um die Bestandsaufnahme: kein Vorher/Nachher‑Spektakel, sondern ein ehrlicher Blick auf den Status quo.
Das Thema
Aufräumen im digitalen Alltag – Folge 1: Bestandsaufnahme
Mails, Accounts, Notifications
Mail vorneweg: Ich habe drei Google‑Accounts, vier weitere Adressen und obendrauf Firefox‑Relay‑Aliasse für Newsletter und Tests. Praktisch ist das alles – aber ich frage mich regelmäßig: „War das jetzt Hauptadresse, Zweitadresse oder doch ein Alias? Welche Regel hatte ich für welche Adresse und ist die Mailadresse für unseren Hund wirklich nötig?“
Dann kommen die reinen Onlinekonten. Mein Passwortmanager Bitwarden zeigt mir eine lange Liste aus alten Foren, Shops, Betas und den wirklich wichtigen Logins wie Banking, Cloud, Social, Abos. Sicher im Tresor, klar – aber auch der digitale Gegenentwurf zu „Ich hab alles im Kopf“ und ein sehr ehrlicher Spiegel dafür, wie schnell sich so ein Leben verzweigt. Und die Erinnerung, dass ein Onlinekonto im Zweifel schneller erstellt als gelöscht ist.
All diese Konten generieren dann einen konstanten Strom an Hinweisen: Mails, Sicherheitswarnungen, Newsletter, Werbung – verteilt auf mehrere Adressen. Ich sitze dazwischen und versuche, das Wichtige herauszufiltern, ohne überall einfach den Stecker zu ziehen und nicht doch die Einladung zum Klassentreffen zu verpassen.
Was nervt
- Viele Adressen, viele Rollen, viel Nachdenken, bevor ich überhaupt etwas öffne
- Bitwarden, das mich schützt, mir aber auch gnadenlos zeigt, wie viel digitaler Ballast sich angesammelt hat
- Ein kontinuierlicher Strom an Nachrichten, die mal mehr mal weniger hilfreich sind und manchmal schlicht nicht gewollt
Was bleibt
- Ein zentraler Passworttresor als Pflicht, nicht als Nice‑to‑have
- Firefox Relay als Schutzschild für neue Dienste und Newsletter
- Der Vorsatz, alle Online-Konten einmal durchzugehen und „auszumisten“
Homescreen, Launcher und „mal ausprobieren“
Optisch wirkt mein Smartphone ordentlich: ruhiger Hintergrund, Widget mit Tag, Uhrzeit und Wetter. In der ersten Reihe: Notesnook, FamilyWall, Perplexity, Lunatask, Tomorrow – die Apps, die sich nach vorne gearbeitet haben.
Darunter Ordner für Microsoft‑Kram, Social/Messenger, Medien/Streaming, Games und Reisen. Unten eine große Suchleiste für alles, was ich trotzdem nicht direkt finde.
Im Dock: Telefon, Firefox, ein zweiter Browser, Kamera und Threema – die eigentliche Alltagscrew.
Wische ich in die Appliste, kommt der Rest: Feeder, Threema, Thunderbird, Bitwarden, Bluesky, Bahn‑Apps, Instagram, LinkedIn, Netflix, Nextcloud, Patreon, Perplexity, Signal, Spotify, Steam, Tusky, WhatsApp, WireGuard, YouTube und diverse „Ach, dich gibt’s ja auch noch“-Apps, bei denen ich beim Scrollen kurz überlegen muss, warum ich sie damals installiert habe.
Dazu ein Launcher‑Lebenslauf: aktuell Microsoft Launcher, früher unter anderem Niagara (mochte ich sehr, habe ich verbloggt). Zurück bleibt ein Setup, das an manchen Stellen eher wie Tapetenschichten verschiedener Jahre wirkt als wie ein sauberer Plan – man sieht, wo ich mal umgebaut habe und dann doch halbwegs zufrieden war.
Was nervt
- Ein App‑Zoo hinter einer scheinbar aufgeräumten Oberfläche
- Alte Launcher‑Experimente, die bis heute Spuren in der Struktur hinterlassen
Was bleibt
- Eine kleine Kerncrew auf dem Homescreen
- Die Erkenntnis, dass Suche für mich inzwischen wichtiger ist als perfekte Icon‑Ordnung
- Der Vorsatz wieder einen übersichtlicheren Launcher zu benutzen, der mich zur Not auch von den vielen Aufmerksamkeits-Heischern abdeckt
Streaming, Spiele, Smarthome & Feeds
Medienseitig bin ich überversorgt: mehrere Streaming‑Dienste, ein solider Pile of Shame bei Spielen, genug Inhalte für Jahre. Trotzdem ertappe ich mich oft dabei, länger durch Menüs und Empfehlungslisten zu scrollen und auf Update-Balken zu starren, als ich am Ende wirklich schaue oder spiele. Watchlists wachsen, Häkchen sind eher seltene Ereignisse.
Dazu kommen Smarthome‑Experimente und Automationen, die auf dem Papier ziemlich clever wirken, praktisch aber vor allem auffallen, wenn sie nicht funktionieren. Und RSS‑/Newsreader, die mal als „strukturierter Informationsfluss“ gestartet sind und inzwischen wie eine weitere Inbox mit dreistelligem Ungelesen‑Zähler aussehen.
Was nervt
- Auswahlmüdigkeit: viel Content, wenig klare Prioritäten
- Noch eine Inbox in Form von Feeds, die stumm mitwächst
Was bleibt
- Die Einsicht, dass ich genug gute Inhalte habe – ich muss nur bewusster auswählen, was wirklich drankommt
Also Ärmel hochgekrempelt und los geht es. Es wird aufgeräumt!
Entdeckt & geteilt
- Apple Macbook Neo: ein Apple Laptop mit verhältnismäßig günstigem Preis bei akzeptabler Hardware – und das gilt tatsächlich auch, wäre es nicht von Apple. Wenn man die Berichterstattung gerade verfolgt, kann man in der Tat lesen, dass viele Laptophersteller etwas in Panik geraten sind. Und die Reviews vom Neo sind auch noch gut. Aber auch die ersten Notebook-Hersteller haben entsprechende Notebooks auf den Markt geworfen, um dem „Neo-Hype“ etwas einhalt zu gebieten
- Current: Es soll ein neuer RSS-Reader sein, der weggeht vom „abarbeiten“ irgendwelcher ungelesener Nachrichten und hin soll zu dem, was wichtig ist: der Inhalt
- Diarium: eine schön gemachte Tagebuch App, die aber auch wunderbar als Reisetagebuch umfunktioniert werden kann. Testen werde ich sie auf jeden Fall während des nächsten Urlaubs.
- Fun Facts: die täglichen Nachrichten aber in (etwas) erträglicher, weil sie witzig daherkommen. Und das zu allem Überfluss auch noch aus dem Fediverse…
- Comics in Speyer: vor allem geprägt von Marvel und DC finden sich hier einige gute Fakten und interessante Ausstellungsstücke. Vor allem die Miniaturen und die Fokussierung auf einige ausgesuchte Helden und Schurken machen die Ausstellung interessant.
- Comics in Ludwigsburg: Hier steht Marvel ganz vorne, ist es doch eine Ausstellung von Marvel über Marvel. Mit seeeehr viel Text, den man lesen kann und muss und einigen interessanten (Original-) Exponaten aus Kinofilmen. Und einige sehr interessante Darstellung zur Vorreiterstellung von Marvel (wer hätte es gedacht).
- Chaos bei XBox: Ich bin ein Microsoft Fanboy, weil es eine ganze Phase lang so aussah, als sei Microsoft seinen Konkurrenten immer einen Schritt voraus. Mit einem Handy, dass man als Laptop-Ersatz in Betracht ziehen konnte, einem Spiel-Ökosystem, dass man auch in einer Cloud auf einem Android-Handy spielen konnte usw. usw. Aber genau da scheint jetzt gerade durch die neue XBox-Chefin etwas die Axt im Walde zu herrschen, wurden doch viele berühmte Entwicklungsfirmen quasi über Nacht geschasst.
Extro
Damit ist Newsletter Nummer 10 erledigt – und gleichzeitig der Startschuss für meine kleine Staffel zum digitalen Aufräumen in neuer, leicht angepasster Form.
Auch wenn hier aktuell kaum jemand mitliest, ist dieser Newsletter für mich eine gute Übung: regelmäßig schreiben, mein eigenes Setup sortieren und festhalten, was sich dabei ändert (oder eben nicht).
In den nächsten Folgen geht es dann konkreter an Mails, Accounts, Apps, Browser und den ganzen Medienkram. Wenn ihr bis hierher gelesen habt: Welche Baustelle in eurem digitalen Alltag würdet ihr als Erstes anpacken – und warum gerade die?